Langstreckenlauf Corona-Bekämpfung

Rückblick 2020

Die Veränderungen, zu denen die Corona-Pandemie geführt hat, sind tiefgreifend. An den drei CHEMPARK-Standorten wurde früh reagiert und die Produktion konnte weiterlaufen. Dennoch hat das Virus Spuren hinterlassen: Im Arbeitsalltag, in den Köpfen und bei einigen Betroffenen auch gesundheitlich. Ein Einblick, in den CHEMPARK und die Corona-Folgen des zurückliegenden Jahres.  

Seit März 2020 arbeite alle die können, mobil. Im CHEMPARK gelten strenge Schutzmaßnahmen, um das Corona-Virus einzudämmen. Zum Schutz für Mensch und Produktion. Symbolfoto: Adobe Stock - kichigin19

Mehr als 8.500 Kilometer liegen zwischen dem zentralen Besucherempfang des Leverkusener CHEMPARK und dem Markt in Wuhan, der als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt. Wuhan ist damit tatsächlich so weit weg, wie sich das Corona-Virus angefühlt hat, als die erste Meldung darüber bei uns über den Ticker lief: „Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen“, schrieb die dpa am 31. Dezember 2019 um 10.31 Uhr. Es fühlt sich sehr viel länger an, als es tatsächlich her ist.

Spätestens seit März 2020 ist das Infektionsgeschehen der Taktgeber unseres Alltags geworden. In den CHEMPARK-Standorten wurde bereits sehr viel früher reagiert, erste Schutzmaßnahmen wurden bereits Ende Januar getroffen. Überall stiegen die Fallzahlen in den weiteren Wochen und Monaten schwindelerregend. Zu den Berichten über milde und schwere Krankheitsverläufe kamen die immer umfangreicheren Einschränkungen in der Gesellschaft. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zum Beispiel alle, die konnten, nicht mehr im Werk, waren Schutzkonzepte etabliert, Fieberscans installiert oder Schichtwechsel entzerrt.

Sicherheit und Verantwortung

Auch CHEMPARK-Leiter Lars Friedrich war früh klar, dass es sich nicht nur um eine kurzzeitige Störung des gesellschaftlichen Lebens und der Betriebsabläufe handeln würde: „Wir sahen uns gezwungen, die Arbeitsabläufe zu ändern und auf vieles zu verzichten. Dennoch ist es uns als CHEMPARK-Betreiber und auch den Partnerfirmen gelungen, die Produktion aufrecht zu erhalten. Auch darauf kommt es jetzt an! Medizin, Gesundheit, Hygiene, Ernährung und vieles mehr: Die Unternehmen an unseren Chempark-Standorten stellen Produkte, die für die Menschen und die Gesellschaft besonders jetzt von hoher Bedeutung sind.“

Vorteil: Pandemiepläne in der Schublade

Automatisierte Temperaturmessungen an den Werkszugängen, Maskenpflicht und Abstandhalten gehören inzwischen fest zum CHEMPARK-Arbeitsalltag. „Sicherheit und Zuverlässigkeit sind seit jeher unsere unternehmerischen Grundüberzeugungen“, sagt Friedrich. „Und sie werden auch in Zukunft an erster Stelle stehen.“ Das zeigt sich zum Beispiel auch in der herausragenden Krisen-Infrastruktur. „Sie war ein wichtiger Faktor, um gerade zu Beginn der Pandemie schnell wichtige Maßnahmen für den Infektionsschutz auf den Weg zu bringen. Die Pläne dafür lagen teilweise bereits in der Schublade, das hat geholfen – uns und unseren Kunden.“

Besonders in der Corona-Pandemie übernimmt die ärztliche Abteilung von CHEMPARK-Manager und -Betreiber CURRENTA wichtige Aufgaben im Werk.

Ärztliche Abteilung im Werk im Fokus

„Ich habe in diesem Jahr viel gelernt“, sagt der CURRENTA-Betriebsarzt Dr. Harald Bischof. Eine Pandemie solchen Ausmaßes hat der Mediziner noch nicht erlebt. Dass es bei CURRENTA dafür abgestufte Pläne gibt, habe für ein gewisses Maß an Handlungssicherheit gesorgt. Dennoch brauchte es auch ein hohes Maß an Improvisationsfähigkeit: „Wir haben ein tolles Team und konnten deshalb schnell reagieren – gedanklich wie physisch. Es ging darum, schnell Lösungen zu finden. Also haben wir zum Beispiel Mietcontainer für die Abstriche organisiert und viel getestet.“

Das CURRENTA-eigene Labor liefert innerhalb von acht Stunden Ergebnisse. Alle, die Kontakt zu Corona-Infizierten hatten, werden getestet, ganze Schichten inbegriffen. Mit positiven und negativen Ergebnissen.

 PCR-Diagnostik im CHEMPARK: Auch Dr. Harald Bischof ließ sich testen.

Es begann mit einem Kratzen

Mitte Dezember 2020 setzte das Coronavirus alle 17 Mitarbeiter und den Auszubildenden aus Schicht 5 der Sonderabfallverbrennung in Leverkusen-Bürrig außer Gefecht. „Es begann mit einem Kratzen im Hals“, erzählt Teilschichtmeister Axel Niemuth. „Ich bin nur sehr selten krank und wäre sicher davon ausgegangen, dass das nicht viel zu bedeuten hat – hätte ich nicht vom positiven Corona-Testergebnis meines Kollegen erfahren.“ Mit seinem eigenen positiven Testergebnis kamen dann auch weitere Symptome hinzu: „Einen Tag später hatte ich starke Gliederschmerzen im ganzen Körper. Ich habe mich gefühlt wie 85. Drei Tage war ich so geschwächt, dass ich nur im Bett gelegen und viel geschlafen habe“, erinnert sich der 52-Jährige. Danach verlor er für weitere drei Tage seinen Geschmacks- und Geruchssinn komplett. „Wirklich beängstigend für mich war aber die Kurzatmigkeit. Nach 15 Treppenstufen fühlte ich mich, als hätte ich gerade einen 10-km-Lauf hinter mir.“ Nach acht Tagen ging es ihm endlich besser. „Trotz der heftigen Beschwerden denke ich, dass mein Krankheitsverlauf zu den milderen zählt“, so Niemuth.

Fieberscans waren eine der ersten größeren Maßnahmen, die bereits im Frühjahr 2020 im CHEMPARK umgesetzt werden konnten. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie sind die Scans, mit dem einen oder anderen Update versehen, nach wie vor an den Autotoren, Besucherempfängen und in Gebäudeeingängen zum Beispiel zu den Feuerwachen erfolgreich im Einsatz.

Lernen trotz Corona: Für Kira Deigentasch, Currenta-Auszubildende zur Industriemechanikerin, bedeutete dies, dass sie das Klassenzimmer mit dem Homeoffice tauschen musste. Dank der Currenta-Bildungscloud war sie bei dem Wechsel nicht auf sich alleine gestellt.

Tun, was getan werden kann: Ausbildung von zu Hause aus

„Es war eine ungewöhnliche Situation. Am Freitag war ich noch ganz normal im Unterricht. Über das Wochenende habe ich dann erfahren, dass deutschlandweit alle Schulen schließen müssen“, berichtet Kira Deigentasch im März 2020. So wie der angehenden Industriemechanikerin erging es im letzten Jahr vielen der rund 2.400 Azubis, die CURRENTA für sich und andere CHEMPARK-Firmen ausbildet. Home-Office war für die Azubis und die Ausbilder kein Problem, denn bereits seit Jahren wird intensiv an der Digitalisierung der Azubi-Programme gearbeitet.

Ein Vorteil, der gerade in dieser Ausnahmesituation zu tragen kam. „Wir haben uns schon vor vier Jahren die Frage gestellt, wie wir uns weiterentwickeln können, um für die Anforderungen des digitalen Zeitalters gerüstet zu sein“, erklärt Dr. Nora Bujdoso, die sich bei der Currenta-Bildung um Bildungsprojekte kümmert. „Von den Lösungen, die wir gefunden haben, profitieren wir schon länger. Gerade in der intensiven Anfangsphase der Corona-Pandemie kamen sie aber noch mehr denn je zum Einsatz“, berichtet Bujdoso weiter. So haben die Auszubildenden bereits seit geraumer Zeit virtuelle Lernumgebungen zur Verfügung, in denen sie zudem persönlich von ihren Ausbildern betreut werden. „Dadurch, dass die Technik bereitstand und bereits gelebte Praxis waren, hatten wir die beste Grundlage, uns auf die neue Situation einzustellen“, reflektiert Bujdoso.

Tun, was getan werden kann: Schutzmaßnahmen einhalten

Die Schutzmaßnahmen an den CHEMPARK-Standorten sind streng. Wer von zuhause aus arbeiten kann, arbeitet von zuhause aus. Fieberscans an den Werkszufahrten und den Zugängen zu Gebäuden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besucherinnen und Besucher, die FFP2-Masken tragen, Abstandsgebote und viele weitere Einschränkungen. Immer wieder gab es Veränderungen und Anpassungen. So können etwa Speisen in den Kantinen aktuell nur abgeholt werden. Psychologisch ist die Situation äußerst herausfordernd. Das weiß auch CHEMPARK-Pandemiekoordinator Jens Wippich: „Das ist doch verständlich nach vielen Monaten der Entbehrungen, jeder wünscht sich, dass jetzt Lockerungen kommen.“ Das aber sei gefährlich: „Wir wissen, dass die neuen Virus-Varianten in Deutschland bereits für einen beträchtlichen Teil der Infektionen ursächlich sind. Lockern wir also zu früh, steigen die Infektionszahlen wieder rapide an.“

So sieht es im CHEMPARK-Kriesenstab aus, wenn keine Pandemie die Arbeit bestimmt. Seit März 2020 finden die regelmäßigen Sitzungen alle digital statt.

Tun, was getan werden kann: Unterstützung für die Nachbarschaft

Der CHEMPARK-Partner Bayer sieht sich als fester Teil der Stadtgesellschaft der jeweiligen Standorte. Der Dormagener Standortleiter Dr. Norbert Lui erinnert sich, dass es von Beginn der Krise an darum gegangen sei, zu helfen, wo es geht. Waren es im März zunächst FFP2-Schutzmasken, die der Stadt Leverkusen als Spende zur Verfügung gestellt wurden, kamen im Lauf des Sommers rund 120 Tonnen Desinfektionsmittel aus Dormagen dazu. Die Lieferungen gingen etwa an Krankenhäuser und Seniorenheime im regionalen Umfeld.

Auch Arlanxeo, Covestro oder LANXESS haben sich in ganz ähnlicher Weise an den Standorten engagiert. Mehr dazu steht in dieser Corona-Ausgabe des Nachbarschaftsmagazins CHEMPUNKT aus 2020.

Bei CURRENTA im Fokus: den Helfern helfen

Bereits im April hat auch CURRENTA insgesamt 60.000 Euro für die Unterstützung von sozialen und kulturellen Projekten, die von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind, an den drei Standorten zur Verfügung gestellt. Hier nur ein Beispiel: In Dormagen wurde mit 3.000 Euro aus diesen Mitteln zum Beispiel der Verein Frauen helfen Frauen e.V. unterstützt. Dr. Gerta van Oost, die sich im Vorstand des Vereins engagiert, berichtet, dass die Zahl der Frauen, die Hilfe wegen häuslicher Gewalt suchen, seit dem Beginn der Corona-Pandemie stetig steigt: „Frauen erfahren im häuslichen Umfeld vermehrt Gewalt. Die derzeitige Situation wirkt wie ein Brandbeschleuniger und führt für manche Frauen zu einem Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins.“ Van Oost betont, wie wichtiger es sei, bei der Arbeit für gewaltbetroffenen Mädchen und Frauen Unterstützung zu erfahren: „Denn die wäre in diesem Umfang ohne Sponsoren wie CURRENTA ganz sicher nicht möglich.“

Langstreckenlauf Pandemiebekämpfung

Mittlerweile ist klar, dass der Kampf gegen die Pandemie ein Langstreckenlauf sei. „Wir sind in einer Phase, in der der Kopf ein bisschen müde ist. Das ist verständlich, nachlassen dürfen wir aber trotzdem nicht, egal auf welcher Seite des Werkzauns.“ Was für Friedrich außerdem feststeht: „Es ist unser Auftrag, die Produktion in einem sicheren Umfeld weiter zu ermöglichen, die Anlagen müssen weiterlaufen. Denn gerade jetzt kommt es auf die chemische Industrie an, hier werden viele Produkte hergestellt, die wichtig sind und dringend gebraucht werden.“

Wie geht es weiter?

Handelt es sich bei Corona nun um eine Krise oder um mehr, einen Moment also, von dem an die Welt ganz anders aussehen wird, als wir sie bisher kannten? Danach gefragt, entgegnet Harald Bischof: „Das heute seriös zu beantworten, ist schlicht nicht möglich.“ Auch Lars Friedrich kennt die Antwort auf die Frage, wie viel Altbekanntes im „neuen“ Normal stecken wird, nicht. „Was ich aber ganz sicher weiß: Auf uns ist Verlass. Wir haben unter schwierigsten Bedingungen mit großem Aufwand dafür gesorgt, dass die Produktion an unseren Standorten weiterlaufen konnte. Wir haben dabei die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mittelpunkt gestellt, waren für unsere Kunden ein zuverlässiger Partner und haben uns vor Ort an den Standorten weiter engagiert. Und genau das werden wir auch in Zukunft tun.“