Tim Sebastian Sonntag bei der Arbeit mit dem Zweiwegefahrzeug: Er rangiert mit seinem Kollegen Ingo Kaspar im Dormagener Westwerk.

Unterwegs auf Strecke

‚Eisenbahner im Betriebsdienst‘: Einblicke in den Azubi-Alltag

Tim Sebastian Sonntag ist 17 Jahre alt und hat gerade eine sehr wichtige Entscheidung getroffen: die Wahl seines Ausbildungsberufs, Eisenbahner. Tim begeistert sich seit Jahren für die Schienenfahrzeuge und war schon als Jugendlicher gerne mit seiner Modelleisenbahn „auf Strecke“ unterwegs. Jetzt geht für ihn ein Traum in Erfüllung: Seit dem 1. August 2020 ist er Auszubildender zum „Eisenbahner im Betriebsdienst“ bei der Chemion Logistik GmbH.

Und da ging’s von Anfang an spannend zur Sache. Schon am ersten Ausbildungstag wurde es für Tim aufregend. Ein RTL-Filmteam am Start, sofort live auf Sendung, sofort dahin, wo Tim am liebsten steht: ganz vorne weg, im Cockpit der Lok. Normalerweise steht erst jede Menge Theorie auf dem Lehrplan, bevor es dann „an die Lok“ geht. Zusammen mit seinem Ausbilder Christian Appel durfte Tim ein Stück fahren – und dann einen Moment sogar selbst die Steuerung übernehmen. Ein spektakulärer Einstieg, ganz nah dran an der Praxis.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Am zweiten und dritten Ausbildungstag kam die Theorie. Und die ist enorm wichtig. „Sicherheit steht an erster Stelle“, betont Tim und ergänzt: „Ich bin mir immer bewusst, welche Verantwortung ich habe.“ Dazu erhielten er und seine drei Mit-Azubis eine Woche lang Belehrungen über die Unfallverhütungsvorschrift (UVV) – und alle haben die Prüfung am Ende gut bestanden. Tim wird außerdem in Signalkunde und Streckenkunde unterrichtet. Damit er das Chemion-Streckennetz mit allen Herausforderungen irgendwann wie aus dem Effeff kennt. Dafür fährt er zum Blockunterricht zur Berufsschule nach Köln. Wie er dahin kommt? Mit der Bahn natürlich.

Im Einsatz ist Tim aber nicht in Köln oder Leverkusen. Krefeld-Uerdingen ist sein Standort. Den hat er bei Werkserkundungen schon richtig gut kennengelernt. Und seine Kollegen vor Ort sowieso. „Ein persönlicher Kontakt auf der Arbeit ist mir sehr wichtig und aus meiner Sicht die Basis für eine gute Zusammenarbeit“, freut sich Tim über das gute Miteinander mit seinen Kollegen und fühlt sich schon richtig gut ins Team integriert. Auf der Früh- und Spätschicht ist er immer mit denselben Kollegen zusammen und hat in den vergangenen drei Monaten schon sehr viel praktisch angepackt – ganz so wie die anderen Mitarbeiter auch. Dazu gehören zum Beispiel das Kuppeln und Schlauchen, wie es unter Eisenbahnern heißt. Außerdem hat der 17-Jährige schon viele Fahrten mitgemacht – in der Lok sind zwei Sitzplätze; und der Nachwuchs-Eisenbahner ist berechtigt, auf sogenannten ‚B-Strecken‘ mitzufahren.

Über die Schiene geht’s leichter

Nach seiner Ausbildung dann wird Tim auch außerhalb der CHEMPARK-Standorte im Netz der Deutschen Bahn fahren. Dafür wird er mit ausgebildet. Schon jetzt aber ist er am liebsten „auf Strecke“ unterwegs – seine „Hausstrecke“ ist die von Krefeld-Uerdingen nach Dormagen. Hier gilt es zum Beispiel, Wagen aus Dormagen zu holen, die in Krefeld-Uerdingen benötigt werden. Oder auch mal einen Eileinsatz zu fahren, wenn ein Produkt benötigt wird, damit die Produktion weiterläuft im CHEMPARK. Seine Fracht: beispielsweise einer der beeindruckenden Kesselwagen – der mit 90 Tonnen Gesamtgewicht ordentlich was auf die Waage bringt. Meistens ist der Koloss mit rund 65.000 Litern Produkt befüllt. Ihn zu ersetzen – keine leichte Aufgabe. Und eine zusätzliche Belastung für den Straßenverkehr rund um die Standorte. Die Formel? 1 Kesselwagen = 3 Lkw. Da fällt die Entscheidung pro Schiene „leicht“.

Ausbilder Christian Appel steht Tim mit Rat und Tat zur Seite und ist auch im Ausbildungsalltag für seine Azubis immer ansprechbar.

Tim Sebastian Sonntag übt am Loksimulator für den großen Tag, wenn er dann selbst live eine Lok im Chemion-Streckennetz fahren darf.

  • Tim Sebastian Sonntag

  • in Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst

  • 17 Jahre

  • wohnt in Duisburg

Fun Facts – Erlebnisse aus den ersten drei Monaten

  • Auf der Dormagener Schicht haben wir uns einmal eine satte Verspätung eingehandelt. Bei der Fahrt von Krefeld-Uerdingen nach Dormagen passieren wir einige technisch ungesicherte Bahnübergänge. Und haben an dem Tag den Auftrag bekommen, vor dem Übergang anzuhalten und selbst „zu schlüsseln“. Das bedeutet: Aussteigen – und aus einem kleinen Kasten den Schlüssel entnehmen und damit bestätigen, dass eine Durchfahrt sicher ist.
  • Ich wurde von einigen Leuten auf den RTL-Bericht angesprochen – allerdings im privaten Bereich, nicht von Fremden. Zum Beispiel hat meine alte Lehrerin mich danach gefragt.

Chemion? Eine gute Entscheidung!

Wie aber ist Tim überhaupt auf die Ausbildung bei Chemion gekommen? Von einem Bekannten bekam er den Tipp, informierte sich im Internet – und war überzeugt. Und warum nicht die große Deutsche Bahn? „Ganz klar – es reizt mich, nicht nur mit monotonen Gütern, sondern auch mit Gefahrgütern zu arbeiten“, erklärt Tim. „Wer Interesse an einem abwechslungsreichen Beruf hat, ist hier bei Chemion richtig aufgehoben. Alle Kollegen sind sehr viel unterwegs. Es gilt, körperlich fit zu sein und Freude am praktischen Arbeiten zu haben.“ Auch Logik gehört dazu – beim Rangieren und Planen der Fahrten. Besonders wichtig: aufmerksam sein bei der Arbeit und Spaß daran finden, Verantwortung zu übernehmen. „Wir arbeiten mit Tonnen – ein kleiner Fehler kann auch tödlich enden“, greift Tim noch einmal das Thema Arbeitssicherheit auf und wendet sich konzentriert wieder dem zu, was für ihn das Größte ist: dem Schienennetz und „seiner“ Strecke.

Alle Infos rund um die Ausbildung bei Chemion finden Sie hier.